Geschichts- und Heimatverein e.V. Dreieichenhain

Dreieich-Museum

Exponate

Hier stellen wir nach und nach einige Exponate unserer Dauerausstellung vor:

Fragment einer figurlich verzierten Spiegelfassung

Datierung: 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts
Material: Knochen
Maße: H 8cm, B 5,3cm

Gefunden 1973 bei Ausschachtungsarbeiten zwischen Burgkeller und Bergfried

Der Spiegelrahmen bestand ursprünglich aus zwei senkrechten Knochenstreben und zwei an der Rückseite befestigten Querstreben. Das noch erhaltene rechte Täfelchen wird von zwei türmchenartigen Aufsätzen bekrönt und zeigt eine stark vereinfachte Burgdarstellung mit zinnenbesetzter Brüstung und dahinterstehendem Turm.
Hinter der Brüstung sind Schultern und Kopf eines Mannes sichtbar. 
Die Rückseite weist eine halbrunde Vertiefung auf (Dm 4cm), in die ein runder, leicht gewölbter Glasspiegel eingesetzt war. Zum Schutz der Spiegelfläche hatte der Rahmen ursprünglich noch zwei kleine Türflügel, die mit Stiften in die Querstreben eingezapt waren.
Auf der fehlenden Hälfte der Vorderseite des Spiegelrahmens war vermutlich eine Frau dargestellt, ebenfalls in der Umgebung einer Burg.
Bei solchen Spiegeln handelte es sich um gehobene Gebrauchsartikel, nicht um Luxusgüter. Sie hatten praktischen Nutzen, dienten (wie die Darstellung vermuten lässt) aber auch als Liebesgabe.

Literatur: I. Krueger, Das Fragment einer Spiegelfassung von Burg Hain und seine Verwandten, in: Landschaft Dreieich (1993) 23-35

Kopf eines Kruselerpüppchens

Datierung: 2. Hälfte 14. Jahrhundert
Material: Ton
Maße: H 3,8cm, B 3,7cm

1924 bei Ausgrabungen von Karl Nahrgang gefunden

Kopf einer Figur mit hoher Stirn und spätgotischer Haube (Kruseler) aus hellem Ton. Die Rüschen der Haube sind stilisiert als kleine Erhebungen ausgeformt.  
Der Kopf war Teil einer Frauenfigur, die eine Dame mit typischer Kopftracht der adeligen Gesellschaft des 14. und 15. Jahrhunderts darstellte. Solche Figuren dienten meist Mädchen als Puppe, sie repräsentierten die Welt der erwachsenen Frau, vergleichbar vielleicht mit der heutigen Barbiepuppe. Analog gab es für Jungen handgefertigte Ritter mit Pferdchen.

Namensgeber solcher, in Süddeutschland sehr beliebter, Püppchen war der Kruseler, ein voluminöser, mit Rüschen besetzter, halbkreisförmiger Kopfschleier, welcher zwischen 1350 und 1425 von adeligen Damen getragen wurden. Der Kruseler war aus Seide, Leinen oder Baumwolle gefertigt, umrahmte offen das Gesicht und lag auf den Schultern auf. Häufig wurde er mit einer Rise kombiniert, einem schleierartigen Tuch aus dünnem Stoff, der Hals und Kinn verdeckte. Der Anzahl der Tuchlagen des Kruselers konnte variieren und war vielfach Gegenstand von Kleiderordnungen. In Frankfurt waren 1356 sechs Rüschenlagen erlaubt, in Ravensburg 1371 hingegen bis zu neunzehn.
Unser Kruselerpüppchen ist mit sechs Lagen geschmückt.

Literatur: E. Grönke und E. Weinlich, Vier ausgewählte Objekte des späten und ausgehenden Mittelalters (Tonfigürchen) im Dreieich-Museum, In: Landschaft Dreieich (1992) 11f

Brettspielstein 

Datierung: 11.–13. Jahrhundert
                    (nach V.B. Mann: 1140-1150 n.Chr.)
Material: Walrosszahn
Maße: Dm 4,8cm

Gefunden 1973 bei Ausschachtungsarbeiten zwischen romanischem Burgkeller und Bergfried.

Figürlich verzierter Spielstein aus Walrosszahn mit breiter Randverzierung. Das Motiv zeigt einen über die Schulter blickenden geflügelten Drachen.

Der Spielstein gehörte zu einem nicht erhaltenen Satz von insgesamt zwei mal 15 Steinen und einem Spielbrett. Gespielt wurde ein in der mittelalterlichen Überlieferung „tabula“ genanntes Spiel, andere Bezeichnungen sind Trictrac, Puff, Wurfzabel oder heutte Backgammon.

Spielsteine fanden sich seit dem 11. Jahrhundert in fast jeder mittelalterlichen Burg (nördlich der Alpen), scheinen also ein gängiger Bestandteil des Besitzes ihrer Bewohner gewesen zu sein. Spielsteine aus kostbareren Materialien, wie Elfenbein oder hier Walrosszahn, gehörten aufgrund ihres Wertes eher hochrangigen Familien. Sie stellten mit ihren aufwändigen Verzierungen kleine Kunstwerke dar, die, wenn sie nicht bespielt wurden, sicherlich gerne vorgezeigt wurden.

Literatur: A. Kluge-Pinsker, Schach und Trictrac. Zeugnisse mittelalterlicher Spielfreude in salischer Zeit (1991)

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